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Sowjetische Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft

Zwischen Sommer 1941 und Frühjahr 1942 starben mehr als zwei Millionen sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam. Die Wehrmacht war für den Transport, die Verpflegung, Versorgung und Unterbringung der Kriegsgefangenen allein verantwortlich. Im Unterschied zu den westlichen Kriegsgefangenen wurden die sowjetischen Soldaten nicht nach dem völkerrechtlich gebotenen Mindeststandard versorgt. Die Folge waren katastrophale Unterbringungs- und Ernährungsbedingungen, die Millionen Menschen das Leben kosteten.

Bereits vor Kriegsbeginn erließ die Wehrmachtsführung den »Kommissarbefehl«, der die Ermordung der politischen Funktionäre in der Roten Armee anordnete. Darüber hinaus kooperierten Wehrmachtseinheiten mit den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD bei Selektionen in den Lagern für sowjetische Kriegsgefangene. »Politisch Verdächtige«, darunter fielen auch jüdische Gefangene, wurden ausgesondert und an die Einsatzgruppen übergeben, die diese abseits der Lager erschossen. Auch unter den bereits ins Reich transportierten Kriegsgefangenen fanden »Aussonderungen« statt. Diese Gefangenen wurden anschließend in Konzentrationslager überstellt. Über die Zahl der Opfer gibt es bis heute keine konkreten Angaben. Schätzungen gehen von 40.000 bis 120.000 Toten aus.

Erst das Scheitern des sogenannten Blitzkrieges und der daraus resultierende Arbeitskräftemangel ließen 1942 ein Umdenken zweckmäßig erscheinen. Sowjetische Kriegsgefangene wurden nun verstärkt für die Kriegswirtschaft im Deutschen Reich herangezogen. Zwar veranlaßte das Oberkommando der Wehrmacht die Verbesserung ihrer Versorgungssituation, für Hunderttausende aber kamen diese Maßnahmen zu spät.

Heidelager

In der Lüneburger Heide existierten mit Wietzendorf, Oerbke und Bergen-Belsen insgesamt drei sogenannte »Russenlager«. Zunächst mußten sich die Kriegsgefangenen in selbstgebauten Erdhöhlen oder Erdhütten aufhalten. Erst im Laufe der Zeit wurden Baracken zur besseren Unterbringung errichtet.

In den drei Heidelagern herrschten katastrophale Bedingungen. Die Lebensmittelversorgung war so schlecht, daß schon nach wenigen Wochen insbesondere geschwächte und kranke Gefangene starben. Zwischen November 1941 und Februar 1942 setzte ein durch Fleckfieber und andere Krankheiten, vor allem aber durch Unterernährung verursachtes Massensterben ein, das mindestens 40.000 Menschen das Leben kostete. Die Belegung der drei Lager ging bis April 1942 auf insgesamt 6.500 Gefangene zurück.

Die Heidelager entwickelten sich zu einem beliebten Ausflugsziel für die einheimische Bevölkerung. Am Wochenende spazierte man zum Lagerzaun, um die sowjetischen Kriegsgefangenen anzusehen. Die Schaulustigen ließen sich selbst von den zusätzlich errichteten Absperrmaßnahmen nicht abhalten.

Stalag Wietzendorf

Primitive Erdhütten im Lager Wietzendorf, ohne Datum
Staatsarchiv Hamburg, 213-12, 0004 Band 007

 

Stalag XIC: Bergen-Belsen

Friedhof, 1941/42
Zentralnachweis zur Geschichte von Widerstand und Verfolgung 1933—1945 auf dem Gebiet des Landes Niedersachsen (Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung), 4000—20

 

Stalag XI D/321: Oerbke

Oerbke 1941: »Todeskandidat«
Zentralnachweis zur Geschichte von Widerstand und Verfolgung 1933—1945 auf dem Gebiet des Landes Niedersachsen (Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung), 4016A

 

 

   

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